Corona-Impfpflicht – Eine populistische Alibihandlung

Nachtrag zu meinem Artikel von Ende November

Laut unseren Experten und Politikern streben wir eine hohe Impfquote an, damit dadurch endlich Corona beherrscht wird. Auch Prof. Drosten sagt in seinem jüngsten Podcast “Nur mit einer höheren Impfquote lässt sich die Pandemie beenden”. Hier irrt er. Es wird nämlich immer deutlicher, dass da einer Illusion nachgejagt wird. Denn die Länder mit vorbildlich großer Impfquote leiden unter einer besonders hohen Rate von Neu-Infektionen. 91 % Geimpfte wie im Musterland Portugal werden wir kaum erreichen können. Aber trotz Portugals Impfleistung schrecken seine Infektionszahlen ebenso wie bei den anderen Ländern mit erfolgreichen Impfanstrengungen. Da wird es doch Zeit für die Erkenntnis, Impfen schützt nur vor schweren Verläufen, bringt aber kein Corona-Ende.

Pikante Nebenerkenntnis: Frankreich mit seiner Impfpflicht seit 4 Monaten für Beschäftigte im Gesundheitswesen und der Rettungsdienste liegt mit großem Vorsprung an der Spitze bei den Neu-Infektionen. 

30/11/2021 Die Einführung einer Impfpflicht soll entschlossenes Handeln demonstrieren. Aber bringt sie etwas?

Meine Antwort ist Nein. Warum?

Frankreich hat eine Impfquote von 77% und zusätzlich seit Mitte September eine Impfpflicht für die im Gesundheitswesen Tätigen und für Feuerwehrleute eingeführt. In den über zwei Monaten seither hat sich dort nichts gebessert. Die Infektionszahlen steigen genauso rasant wie bei uns oder in den Nachbarländern.

Nun könnte man sagen, das sind ja nur die Infizierten, nicht die Erkrankten. Denn die Geimpften sind besser geschützt und haben mildere Verläufe. Aber wie nebenstehende Grafik zeigt steigen auch die Todeszahlen gleichsinnig.

Wenden wir uns dem Musterländle Portugal zu: Anfang 2021 zu Beginn der Impfmög-lichkeit hieß es, bei einer Impfquote von 70 % wäre Corona beherrschbar. Nach dem Auftreten der Delta-Mutation wurde das Ziel auf eine Impfquote von 90 % angehoben. Das wäre dann die Rettung. 

Portugal hat eine Impfquote von 89, also fast 90 %. Dennoch ist es nicht über den Berg wie beide Grafiken zeigen. Es leidet ebenso. Sobald das Weihnachtsgeschäft vorbei ist, führt Portugal einen lockdown durch.

Es zeigt sich, auch bei hoher  Impfquote kehrt keine Ruhe ein. Die Impf-Verteidiger führen dagegen den  Booster-Erfolg Israels an. Aber, um Wasser in den Wein zu gießen, es wird übersehen, dass warmes sonniges Septemberwetter dort herschte, nicht unsere jetzige nasskalte Erkältungssaison.

Zur Merkwürdigkkeit, dass die ITS-Betten wegen Corona genauso in Anspruch genommen werden müssen wie im Vorjahr ohne Impfungen, heißt es im Tagesspiegel “Wenn wir die jetzigen Rekordinzidenzen vor einem Jahr gehabt hätten, als es noch keinen Impfstoff gab, wäre das Gesundheitssystem zusammengebrochen und wir hätten ähnliche Szenarien wie in Madrid mit überfüllten Leichenhäusern. Dass solch ein Kollaps jetzt nicht eingetreten ist, liegt ganz klar an den Vakzinen.” Der Denkfehler bei dieser Begründung ist die Behauptung “Rekordinzidenz”. Bei der ersten, zweiten und teilw. auch noch bei der dritten Welle hatten wir eine gewaltige Dunkelziffer hinsichtlich der Infizierten. Die dann eingeführten Schnelltests decken die Dunkelziffer auf. Jetzt, wo auch ohne einen Verdacht massenhaft gestestet wird für z.B. einen Theater- oder Bar-Besuch, dürften wir kaum noch unbemerkt Infizierte haben. Das ergibt die “Rekordinzidenz”! Man kann es nicht anders werten, bei einer Impfquote von 70% sollte doch ein Schutzeffekt stärker erkennbar sein. Und der scheint eben auch bei 90% (Portugal) nicht viel besser zu sein.  

Wenn eine partielle Impfpflicht und eine hohe Impfquote keinen deutlichen Effekt zeigen, warum dann eine Impfpflicht ?

Meine Vermutung ist, der Druck aus der Gesellschaft heraus ist einfach zu stark, als dass die 3er-Koalition weiter standhalten könnte. Jede Menge Experten und auch offizielle Gremien haben sich unkritisch dem Mainstream  angeschlossen, statt allerjüngste Erfahrungen zu berücksichtigen und selbst zu denken. Wer Einwände hat, riskiert seine berufliche Karriere.

Im übrigen scheint es eine richtige Entscheidung der 3er-Koalition gewesen zu sein, zehn Tage beobachten zu wollen. Schon bei der letzten Welle führte allein die Androhung der “Notbremse” zur Disziplinierung und damit zum Rückgang der Fallzahlen. Der Effekt scheint auch diesmal aufzutreten. Mit dem drohenden Lockdown steigen die Fallzahlen kaum noch. Mal sehen.

Wenn wiederholte Impfungen die Pandemie nicht auslaufen lassen, was dann?

Es zeichnet sich ab, dass eine natürliche Durchseuchung mittels durchgemachter Infektion erst die Wende bringt. Man sieht es an den Ländern, die bei der ersten Welle kaum reagierten. Seien die Gründe Ignoranz (Brasilien, England), anderes Konzept (Schweden) oder schlicht ungenügende Mittel (Spanien, Indien, Afrika). Es verstarben viele (vorwiegend ältere) Menschen, aber in der jetzigen  4. Welle bleiben Hospitalisierung und Todesfälle unter dem Level der Länder mit starken Impfanstrengungen im Frühjahr 2021.

Brasilien und Spanien haben inzwischen beim Impfen aufgeholt (Spanien 80%, Brasilien 77%). Die jetzt günstige Situation dort wird als Impfergebnis interpretiert, ist aber doch Folge des höheren Durchseuchungsanteils aus den ersten Wellen.  

Natürlich ist es frustrierend für alle, die sich mit viel Engagement um die Erzielung einer hohene Impfrate bemüht haben und sich weiterhin noch bemühen, so wenig durch Impfungen erreicht zu haben. Das darf aber nicht dazu führen, sich einen Impfzwang schönzureden. Zur raschen Entlastung der Krankenhäuser dürfte wirkungsvoller als Impfen-Erzwingen eine Kontaktbeschränkung in Innenräumen sein, aber unterschiedslos ob geimpft oder ungeimpft.

 

 

 

Nachtrag 4.12.21 Inzwischen wissen wir mehr

In Deutschland ist der Gipfel erreicht. In Frankreich mit seiner Berufsimpfpflicht im Gesundheitswesen nehmen die Neu-Fälle weiter zu. Aber Portugal mit seiner Muster-Impfquote steht tasächlich besser da. Die Neu-Fälle dort gehen zurück, aber auch insgesamt beträgt deren Zahl weniger als die Hälfte Deutschlands. Der Erfolg des Impfens läßt sich nicht leugnen.

Deutschland könnte weiter sein, wenn nicht mit 2G den Geimpften suggeriert würde, sie würden nicht Anteil an den vielen Neu-Infektionen haben. Allerorten sehe ich im Bekanntenkreis unvorsichtiges Beieinandersitzen in kleinen Räumen, teilweise so eng, dass der Mundgeruch des Gegenüber zu spüren ist. Dabei können sie drei oder vier Monate nach der letzten Impfung das Virus genauso übertragen wie Ungeimpfte. Das wissen sie nicht und das Diskriminieren Ungeimpfter in den Medien und durch 2G bestärkt sie zu denken, ihr Verhalten wäre korrekt und schuld an der Misere sind die Impf-Verweiger.

Mit dem Ausschluss Ungeimpfter vom öffentlichen Leben (2G) soll der Druck zum Impfen verstärkt werden. Aber mit den damit verbundenen Freiheiten für Geimpfte werden die Bemühungen um Kontaktbeschränkungen unterlaufen. So sehr, dass Lockdown-Massnahmen drohen, wenn der Rückgang der Neu-Infektionen nicht anhält. Deshalb ist es ein großer Fehler der Regierungschefs, den Personenkreis bei privaten Treffen auf zwei Fremde nur bei Ungeimpften zu beschränken.  Wahrscheinlich könnten sich mehr Leute treffen ohne Corona- Negativeffekt, wenn alle sich beschränken müssten, auch die Geimpften.

Die Impfpflicht kommentiert die taz vom 2.12.21 so: Dennoch wird die Impfpflicht gebraucht. Zum einen ist die öffentliche Diskussion über „die Ungeimpften“ und ihre angeblichen Motive dermaßen entgleist, dass „die Geimpften“ sich erst dann beruhigen werden, wenn ihnen per Gesetz bestätigt wird, dass sie auf der richtigen Seite stehen. Treffend formuliert. So werden es auch die Regierenden bei ihrem Beschluss gesehen haben. Wer sich bei dem Thema der veröffentlichten Meinung verweigert, hätte den schwarzen Peter. Nichtdestotrotz, frei sich entscheiden können, ob man sich impfen läßt, ist allemal besser. Portugal hat auch keine Impfpflicht und keine Nötigungsmassnahmen.

 

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